Ziel und Zweck des Verfahrens:
Erhebung von Bedarfen und Wünschen der Bürgerinnen und Bürger an einen zukünftigen Lokaljournalismus
Überblick über das Verfahren:
Wie kann Lokaljournalismus in ländlichen Regionen eine Zukunft haben? Und welche Rolle können dabei künstliche Intelligenz, neue journalistische Arbeitsweisen und die Bürgerinnen und Bürger selbst spielen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsprojekt „RE – KI-gestützter Lokaljournalismus in ländlichen Räumen: Chancen, Risiken und Folgenabschätzung“. In Stendal und der Region Altmark soll im Rahmen des Projekts auch ein Bürgerrat Lösungsvorschläge für die Zukunft des Lokaljournalismus entwickeln.
Das im Juni 2026 gestartete und auf rund zwei Jahre angelegte Projekt wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin, der RWTH Aachen und der Hochschule Magdeburg-Stendal getragen. Die Leitung liegt bei Matthias Künzler von der Freien Universität Berlin. Gefördert wird RE vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Förderlinie INSIGHT.
Lokaljournalismus unter Druck
Ausgangspunkt des Projekts ist die Krise des Lokaljournalismus. Digitalisierung, sinkende Einnahmen und eine wachsende Skepsis gegenüber Medien setzen lokale Medienangebote unter Druck. In einigen Regionen entstehen sogenannte Nachrichtenwüsten, in denen die Bevölkerung nicht mehr regelmäßig mit verlässlichen lokalen Informationen versorgt wird. RE untersucht deshalb, mit welchen neuen Ansätzen ein widerstandsfähiger Lokaljournalismus erhalten oder entwickelt werden kann.
Das Forschungsprojekt gliedert sich in drei Phasen. Zunächst untersucht das Forschungsteam bis Ende 2026, wie künstliche Intelligenz bereits in Redaktionen eingesetzt wird. Im Sommer 2027 soll in Stendal anschließend für acht Wochen eine zeitlich begrenzte Redaktion eingerichtet werden. Dort sollen professionelle Journalistinnen und Journalisten sowie Bürgerjournalistinnen und Bürgerjournalisten gemeinsam mit künstlicher Intelligenz und neuen journalistischen Formen arbeiten.
Parallel dazu sollen in Dialogformaten die Bedürfnisse und Wünsche von Bürgerinnen und Bürgern an den Lokaljournalismus der Zukunft ermittelt werden. Auf den Erkenntnissen dieser Forschungs- und Beteiligungsphase baut schließlich der Bürgerrat auf.
Bürgerrat entwickelt Lösungsvorschläge
Der Bürgerrat bildet die dritte Phase des Forschungsprojekts. Seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen die zuvor gewonnenen Forschungsergebnisse aufgreifen und daraus Lösungsvorschläge für die Zukunft des Lokaljournalismus entwickeln. Die Ergebnisse des Gesamtprojekts sollen in konkrete Handlungsempfehlungen für Medien und Politik einfließen und auch Impulse für Lokalredaktionen außerhalb der Altmark geben.
Wie der Bürgerrat genau zusammengesetzt und durchgeführt wird, ist bislang nicht veröffentlicht. Weder die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch das Auswahlverfahren, die Auswahlkriterien, die Zahl und Dauer der Sitzungen oder eine konkrete Fragestellung sind derzeit bekannt. Auch ein genauer Termin steht noch nicht fest. Da der Bürgerrat erst in der dritten Projektphase vorgesehen ist und die zeitlich begrenzte Redaktion im Sommer 2027 arbeiten soll, dürfte er zu einem späteren Zeitpunkt des Projekts stattfinden.
Für die Einordnung als geloster Bürgerrat ist insbesondere das noch nicht veröffentlichte Rekrutierungsverfahren von Bedeutung. Bislang ist nicht bekannt, ob die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits auf der ersten Stufe nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und eingeladen werden. Eine abschließende Einordnung des Auswahlverfahrens ist daher erst möglich, wenn das konkrete Konzept veröffentlicht wird.
Forschung und örtliche Partnerinnen und Partner
Bei der Vorbereitung und Durchführung arbeitet das Forschungsteam nach Angaben der Freien Universität Berlin eng mit Mehr Demokratie e. V., örtlichen Partnerinnen und Partnern sowie einem wissenschaftlichen Projektbeirat zusammen. Zu den beteiligten Organisationen gehören unter anderem die Stadt Stendal, die Volksstimme, Correctiv, der Deutsche Journalisten-Verband Sachsen-Anhalt, die Freiwilligen-Agentur Altmark, die Bürgerakademie für Medienkompetenz, die Reporterfabrik sowie der Altmärkische Regionalmarketing- und Tourismusverband.
Begleitet wird das Gesamtprojekt außerdem von einem wissenschaftlichen Projektbeirat, den RE als „Critical Friends“ bezeichnet. Ihm gehören Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Hochschulen an. Ob dieses Gremium auch unmittelbar an der Gestaltung oder Begleitung des Bürgerrats beteiligt sein wird, geht aus den bislang veröffentlichten Informationen allerdings nicht hervor.
Der geplante Bürgerrat unterscheidet sich damit von vielen kommunalen Bürgerräten: Auftraggeberin ist nicht in erster Linie die Kommunalpolitik, und Gegenstand ist keine konkrete kommunalpolitische Entscheidung. Der Bürgerrat ist vielmehr Bestandteil eines Forschungsprojekts. Seine Empfehlungen sollen dazu beitragen, Modelle für einen zukunftsfähigen Lokaljournalismus zu entwickeln und Handlungsmöglichkeiten für Medien und Politik aufzuzeigen.
Vom Experiment zu Empfehlungen
RE verbindet damit Forschung, praktische Erprobung und Bürgerbeteiligung. Zunächst werden bestehende Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz untersucht, anschließend neue journalistische Arbeitsweisen praktisch erprobt und die Erwartungen der Bevölkerung erhoben. Auf dieser Grundlage sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bürgerrats beraten, welche Lösungen für die Zukunft des Lokaljournalismus sinnvoll erscheinen.
Welche konkrete politische Wirkung diese Empfehlungen entfalten können, ist derzeit noch offen. Anders als bei einem von einem Stadtrat beauftragten Bürgerrat ist bislang kein Verfahren beschrieben, das eine förmliche Stellungnahme oder Entscheidung politischer Gremien zu den einzelnen Empfehlungen vorsieht. Die Projektverantwortlichen kündigen jedoch an, aus den Ergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen für Medien und Politik abzuleiten.
Verbindung zu anderen Beteiligungsprozessen:
keine Angabe
Besonderheiten des Verfahrens und sonstige Anmerkungen:
keine Angabe