Ziel und Zweck des Verfahrens:
Kinder an der zukünftigen Gestaltung des Areals rund um die Hochrheinhalle zu beteiligen und ihre Perspektiven und Ideen in die kommunale Planung einzubringen. Zugleich soll der Kinder-Zukunfts-Rat Kindern ermöglichen, ihre Lebensumwelt aktiv mitzugestalten und demokratische Beteiligung praktisch zu erfahren.
Überblick über das Verfahren:
In Grenzach-Wyhlen sollen Kinder nicht nur gefragt werden, was sie sich für ihre Gemeinde wünschen. Sie sollen eigene Vorstellungen entwickeln, Fachleute befragen und ihre Vorschläge schließlich direkt an Bürgermeister und Gemeinderat übergeben. Dafür wurde der Kinder-Zukunfts-Rat Grenzach-Wyhlen eingerichtet. Das Verfahren verbindet eine ungewöhnlich konsequente Zufallsauswahl mit mehreren Arbeitstreffen und einer geplanten politischen Übergabe der Ergebnisse.
Organisiert und durchgeführt wird der Kinder-Zukunfts-Rat von Kerstin Brutschin und einer weiteren verantwortlichen Person. Unterstützung erhält das Projekt von der Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Baden-Württemberg (SKJB-BW), die das Verfahren auch finanziell fördert. Bei der Konzeption orientieren sich die Organisatorinnen und Organisatoren teilweise an Beteiligungsverfahren aus Sachsen. Welche konkreten Verfahren dabei als Vorbild dienten, ist noch zu klären.
Erst das Los, dann die Entscheidung über die Teilnahme
Bemerkenswert ist vor allem das Auswahlverfahren. Anders als bei vielen losbasierten Beteiligungsverfahren mussten sich die Kinder nicht zunächst freiwillig melden, um anschließend aus dem Kreis der Interessierten ausgelost zu werden. Stattdessen wurde unmittelbar in den Schulklassen gelost. Aus jeder beteiligten Klasse wurden jeweils zwei nummerierte Lose gezogen. Über die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer wurden anschließend die Namen der ausgelosten Kinder ermittelt.
Insgesamt wurden auf diese Weise 16 Kinder ausgelost. Erst danach erhielten sie Informationen über das Verfahren und konnten entscheiden, ob sie teilnehmen wollten. Die Teilnahme blieb also freiwillig. 15 der 16 ausgelosten Kinder sagten zu, ein Kind wollte nicht teilnehmen. Für dieses wurde unmittelbar ein Ersatz vorgeschlagen. Noch offen ist, nach welchem Verfahren dieses Ersatzkind bestimmt wurde.
Hinter dieser Form der Auswahl steht eine bewusste Überlegung: Der Kinder-Zukunfts-Rat soll nicht nur diejenigen erreichen, die sich ohnehin gerne an Beteiligungsangeboten beteiligen. Durch die unmittelbare Auslosung bekommen auch Schülerinnen und Schüler eine Chance, die sich nach Angaben der Organisatorinnen und Organisatoren bei solchen Angeboten normalerweise nicht von sich aus melden würden. Damit versucht das Verfahren, die für freiwillige Beteiligungsangebote typische Selbstselektion zumindest teilweise zu vermeiden.
Acht Treffen bis zur Übergabe
Der Kinder-Zukunfts-Rat umfasst insgesamt acht Treffen. Darin enthalten sind die Auftaktveranstaltung sowie die abschließende Übergabe der Ergebnisse. Dazwischen liegen damit sechs weitere Arbeitstreffen. Die Treffen finden nachmittags ab 14 Uhr im Umfeld des Schulareals statt und dauern jeweils ungefähr eine bis eineinhalb Stunden.
Auf dieser Grundlage ergibt sich für das gesamte Verfahren eine Größenordnung von ungefähr acht bis zwölf Sitzungsstunden, sofern die genannte Dauer auch für Auftakt und Abschlussveranstaltung gilt. Eine exakte Gesamtstundenzahl ist bislang nicht angegeben.
Die Kinder arbeiten dabei nicht ausschließlich unter sich. Je nach den Fragen, die während des Verfahrens entstehen, werden Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen hinzugezogen. Genannt wurden bislang Feuerwehr, Bauamt, Werkhof und Ordnungsamt. Hinzu kommt die Unterstützung eines Projektleiters für Parks und Grünanlagen der Stadtgärtnerei Basel, der bereits Beteiligungsprojekte mit dem Kinderbüro Basel umgesetzt hat. Die Fachleute sollen insbesondere Fragen beantworten, die sich aus der Arbeit des Kinder-Zukunfts-Rats ergeben. Wie viele Fachleute insgesamt beteiligt werden und an wie vielen der acht Treffen sie unmittelbar teilnehmen, steht noch nicht fest.
Dokumentation und Öffentlichkeit
Das Verfahren wird von den Verantwortlichen fortlaufend dokumentiert. Zur Öffentlichkeitsarbeit gehört außerdem, dass regelmäßig die Presse eingeladen wird. Nach Abschluss des Projekts sollen weitere Unterlagen zur Verfügung gestellt werden. Damit dürften sich später auch bislang offene Fragen zum genauen Sitzungsablauf und zu den Ergebnissen beantworten lassen.
Die Ergebnisse gehen an Bürgermeister und Gemeinderat
Das achte und letzte Treffen ist ausdrücklich der politischen Übergabe gewidmet. Die Kinder sollen ihre Ergebnisse dem Bürgermeister und dem Gemeinderat von Grenzach-Wyhlen überreichen. Damit besitzt das Verfahren einen klar bestimmten politischen Adressaten.
Wie es anschließend mit den Vorschlägen weitergeht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend geregelt. Die Organisatorinnen und Organisatoren streben jedoch an, dass möglichst schnell konkrete Ergebnisse umgesetzt werden können. Dafür sind nach ihren Angaben bereits Mittel im kommunalen Haushalt vorgesehen. Zusätzlich sollen weitere Fördermittel für die Umsetzung eingeworben werden.
Ob und welche Vorschläge tatsächlich verwirklicht werden, lässt sich deshalb erst nach Abschluss des Kinder-Zukunfts-Rats beurteilen. Für die Bewertung des Verfahrens wird besonders interessant sein, ob Bürgermeister und Gemeinderat zu den einzelnen Vorschlägen Stellung nehmen, welche Entscheidungen daraus entstehen und ob für die Kinder nachvollziehbar dokumentiert wird, was aus ihren Empfehlungen geworden ist.
Verbindung zu anderen Beteiligungsprozessen:
Weiterentwicklung der Kinderbeteiligung rund um Kinderrechteweg und Kinderbüro; zugleich Einbindung in den kommunalen Planungsprozess zur zukünftigen Gestaltung des Areals um die Hochrheinhalle.
Besonderheiten des Verfahrens und sonstige Anmerkungen:
Direkte Auslosung der Kinder ohne vorherige Interessenbekundung: Aus jeder beteiligten Schulklasse wurden zwei Kinder per Los bestimmt. Erst nach der Auslosung konnten die ausgewählten Kinder die Teilnahme annehmen oder ablehnen. Dadurch sollten ausdrücklich auch Schülerinnen und Schüler eine Teilnahmechance erhalten, die sich bei freiwilligen Beteiligungsangeboten nicht selbst melden würden. Von 16 ausgelosten Kindern sagten 15 zu. Für eine Absage wurde ein Ersatz vorgeschlagen.
Eine weitere Besonderheit ist die Einbindung kommunaler Fachleute nach Bedarf – unter anderem aus Feuerwehr, Bauamt, Werkhof und Ordnungsamt – sowie eines Fachmanns der Stadtgärtnerei Basel mit Erfahrung in Kinderbeteiligungsprojekten.